zurück

Gründe für den Realschulstandort Kolbermoor

Der Kreisrat und Fraktionssprecher der Freien Wähler/ÜWG, Dieter Kannengießer erläuterte mit nachfolgenden Schreiben an den Landrat Dr. Max Gimple seine Überlegungen zum Realschulstandort Kolbermoor:

 „Sehr geehrter Herr Dr. Gimple,

aufgrund der Verwaltungsvorlage in der o. g. Angelegenheit bitte ich Sie, folgende Einschätzungen aus meiner Kenntnis vor Ort für die Kreisausschusssitzung  zu bedenken. 

1. Könnte eine weitere Schülerkonzentration in Bad Aibling noch verkraftet werden ?

Aus der Sitzungsvorlage vom 10.03.1999 zu den „Zielsetzungen für die zukünftige Schulentwicklung im Landkreis Rosenheim“ kann entnommen werden, dass die Zukunftsprognosen anders eingeschätzt wurden. Hier einige Stichpunkte aus der Vorlage:

Kommunale Realschule Prien – „Bei Einführung der „R 6“ entstehen hier keine Raumprobleme.

Realschule Bad Aibling – „Die Realschule Bad Aibling wurde in einem jetzt fertigen Erweiterungsbau um 14 Klassen erweitert. Bei der Einführung der „R 6 „ entstehen nach Auskunft der Schulleitung keine Probleme.“

Das Anwachsen der Schülerzahlen im Ballungsraum Bad Aibling wurde schon 1999 als recht problematisch erkannt, so dass schon damals die Zuweisung pädagogischen Begleitpersonals (Schulpsychologen, Schulsozialarbeit u. ä.) unabdinglich eingefordert wurde.

Ich gehe davon aus, dass daher die Polizeistation Bad Aibling um eine Stellungnahme zur aktuellen Problematik und deren Einschätzung bei weiter anwachsenden Schülerzahlen gebeten wurde. Das Ergebnis bitte ich Sie in der Kreisausschusssitzung bekannt zu geben.

2. Sind die Nutzungsmöglichkeiten in der frei werdenden Volksschule in der Stadt Kolbermoor wirklich so schlecht ?

Mit großem Interesse habe ich eine Sendung im Regionalfernsehen Rosenheim zum Thema Kommunalfinanzen mit Ihnen als Gesprächspartner verfolgt. Hier haben Sie verständlicher- weise darauf hingewiesen, dass in den Kommunen zu hohe Standards abgefordert und umgesetzt werden und damit ein Teil der Finanzprobleme hausgemacht sind. In der Stadt Kolbermoor sehe ich die große Chance dem Sparwillen gerecht zu werden. So wird die neue Hauptschule in Kolbermoor nicht deshalb errichtet, weil sich eine Sanierung nicht mehr lohnt, sondern, weil die Klassenzahlen aus allen Nähten platzen. Auch wenn eine provisorische Nutzung für eine Übergangszeit für eine Realschule nach Einschätzung der Hochbauabteilung ca. 500.000 € Kosten verursachen würde, dürfte dies bei weitem kostengünstiger sein als ein Neubau zum Schuljahresbeginn 2004/05.  

Selbstverständlich mit der Einschränkung, dass für den Sportunterricht mittelfristig nur eine  1½ fach -Turnhalle zur Verfügung stünde. Der Hinweis auf die zu kleine Busbucht weist nicht gerade auf den unbedingten Willen zur Einhaltung sparsamer Standards hin. In diesem Zusammenhang bitte ich Sie, die bei dieser Nutzung eingesparten Schülerbeförderungskosten in der Sitzung aufzuzeigen. Ich gehe davon aus, dass allein die Schüler aus Kolbermoor diese Schule ausfüllen könnten.

Die für schulische Zwecke vom SV-DJK zur Verfügung gestellten Freisportflächen am Huberberg, die seit Jahren von der Hauptschule in 5-minütiger Fußläufigkeit mitbenutzt werden, wurden seitens der Verwaltung so beschrieben, dass keine Freisportanlagen vorhanden sind.

Selbstverständlich sollte keine Generalsanierung des Schulgebäudes erfolgen, sondern ein kostengünstiger Übergang für einen Neubau geschaffen werden. Diese Interimslösung würde uns zeitlich nicht so einengen wie ein sofortiger Neubau. Ob es sich die Gemeinden über die Kreisumlage leisten können, gleichzeitig zwei neue Realschulen zu bauen bezweifle ich. 

3. Gibt es Zukunftsperspektiven für eine zeitgemäße Realschule in Kolbermoor ?

Beim Spatenstich zur neuen Hauptschule in Kolbermoor hat Sie Kolbermoors 1. Bürgermeister, Herr Peter Kloo, darauf hingewiesen, dass auf dem städtischen Gelände auch eine ausreichende Fläche für den Neubau einer Realschule vorhanden wäre. Nicht zu vergessen ist, dass die neu zu errichtende Dreifachturnhalle für beide Schulen dienstbar  sein könnte.

Diese neue Situation und Chance sollte genutzt werden. Bisher musste die größte Stadt des Landkreises mit knapp 18.000 Einwohnern ihre Kinder in Nachbarstädte befördern, könnte  dieses Teilproblem somit beseitigen. Ich hoffe, dass zu dieser Thematik eine eindeutige Stellungnahme des Kultusministeriums vorgelegt werden kann.  

4. Wäre der Standort in Kolbermoor verkehrstechnisch gut erreichbar ?

Obwohl meines Erachtens allein Kolbermoors Schüler die gesamte Schule auffüllen werden, ist die verkehrstechnische Anbindung künftiger  Fahrschüler nicht außer Acht zu lassen. Über die ST 2078 ergäbe sich eine direkte Anbindungsmöglichkeit für Schulbusse. Das Erreichen über die Bahnstation Kolbermoor wäre ohne Schwierigkeiten möglich.

Städtebaulich wurde die Anbindung der Innenstadt an die neue Hauptschule geprüft. Diese entspräche auch der möglichen Realschule: Fußläufig ca. 6 – 8 Minuten vom Bahnhof über die verkehrsberuhigte Försterstraße, Kanalbrücke, Mangfallbrücke anschließend über den Fußweg  zur Schule.  

Die aufgeführten wichtigen Punkte veranlassten die CSU-Fraktion der Stadt einen entsprechenden Antrag in den  Kolbermoorer Stadtrat einzubringen. Als Ausfluss aller Sachargumente erfolgte ein einstimmiges parteiübergreifendes Votum für den Standort  Kolbermoor.

Sie dürfen mir glauben, dass nicht lokales Interesse im Vordergrund zu sehen ist, sondern eine zukunftsträchtige Lösung für die Kolbermoorer Jugend. 

Ich denke, dass der Beschlussvorschlag noch korrigiert werden sollte, da  die Verwaltung in Teilunkenntnis der Lage Vorort noch nicht alle Punkte entsprechend berücksichtigen konnte.

Mit freundlichen Grüßen    Dieter Kannengießer“. 

Die Sachlage wurde in der öffentlichen Kreisausschusssitzung vom 18.02.02 behandelt. Auch Bürgermeister Peter Kloo und weitere Kreisräte nicht nur aus Kolbermoor unterstützten die angegebenen Punkte, so dass eine endgültige Standortfestlegung für einen Erweiterungsbau in Bad Aibling noch nicht abgesegnet wurde. Bis zur nächsten Kreisausschusssitzung im März,  sollen einige offene Fragen geklärt werden.