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im Bild von rechts: Dr. Hans Eisenmann, Dieter Kannengießer

 „Wellenausbreitung und Mobilfunk“ in der Diskussion bei den Freien Wählern

„Dass die Freien Wähler Kolbermoor und der FW Kreisverband mit der Ladung zum Vortrag von Dr. Hans Eisemann: <Wellenausbreitung und Mobilfunk> ein heisses Eisen anpacken, liegt in der Brisanz der Thematik“. Mit diesen Worten begrüßte der Kreisvorsitzende der Freien Wähler/ÜWG des Landkreises Rosenheim Dieter Kannengießer den Referenten, den Hausherrn Bürgermeister Ludwig Reimeier, seinen Amtskollegen aus der Gemeinde Soyen, Bürgermeister Lorenz Kebinger, sowie zahlreiche Mitglieder und Gäste. „Grenzwerte, Funkmasten oder Sendeanlagen sind brandheiße Diskussionsgegenstände und beinahe tägliches Brot bei Bauleitplanungen oder für laufende Bürgerinitiativen in Gemeinden.“

Kannengießer wies vor Beginn des Referats auf die bau- und immissionsschutzrechtlichen Vorschriften von Mobilfunkstationen hin, insbesondere auf die Genehmigungsfreiheit von Mobilfunkantennen bis 10 m Höhe nach der Bayerischen Bauordnung. Für die Thematik „Mobilfunkstationen“ und ihre rechtliche Zulässigkeit, ihre Zulässigkeit im unbeplanten -, im Innen - und Außenbereich, in der Bauleitplanung (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, gestalterischen Festsetzungen) gab er einen Fachaufsatz des leitenden Direktors des Bayerischen Gemeindetags Herrn Dr. Jürgen Busse aus. Dieser Beitrag ist auch in der Homepage der Freien Wähler Kolbermoors (Rubrik – aktuell) abrufbar.
Wellenfreie Zonen gibt es nicht
„Unwissenheit bei latenten Gefahren schüre immer anonyme Ängste“, so begann Dr. Hans Eisenmann seinen Vortrag, nur so sei die große Gegnerschaft in Sachen Mobilfunk erklärbar. Aufgabe dieses Abends war es, über international gesicherte und anerkannte wissenschaftliche Ergebnisse Argumentationssicherheit zu schaffen. Dr. Eisemann vermittelte den teils sachkundigen Zuhörern auf anschaulicher Ebene die wesentlichen physikalischen Fakten zum Themenkomplex elektromagnetische Wellen: „Die Frequenz von 10 GHz ist etwa die Linie zwischen der schädlichen ionisierenden Strahlung und den unschädlichen nicht ionisierenden Strahlen, wozu der gesamte Mobilfunkwellenbereich gehört. Bei einer Wellenlänge von mehr als 0,8 Nanometer liegt eine „harte Grenze“ zwischen Lichtwellen und UV-Strahlung. Beiden setzen wir uns aber tagtäglich unbedarft aus, obwohl sie den über 100-fachen Effekt haben, als würde man einen Sendemast umarmen“, erklärte der Referent. Zwar gebe es keine absolute Schutzwirkung gegenüber magnetischen Feldern, wie z. B. ein Faradyischer Käfig gegenüber Blitzen, doch existiere eine Dämpfung durch Gegenstände und Materie. Wellenfreie Zonen gibt es nicht. Wie bei der Lichtreflexion, wo auch im Schatten Helligkeit herrsche, erreichen analoge elektromagnetische Reflexionwellen jeden beliebigen Ort. Hauptargument der Physik ist jedoch unbestritten, die Abnahme der Energiedichte im Quadrat zur Entfernung zum Sender.
Weltweit gesicherte Grenzwerte festgesetzt
Beim Mobilfunk erfolgt eine Abnahme von sogar 3,8 als Faktor im Exponenten. D. h. : bei z. B. dreifacher Entfernung vom Sendemast entspricht die Feldstärke nur mehr 1/65 der Ausgangsleistung. Aufgrund dieser physikalischen Fakten hat die internationale Strahlenschutzkommission (ICNIRP) weltweit gesicherte Grenzwerte festgesetzt. Diese fanden unverändert Eingang in die Verordnung der Bundesregierung über elektromagnetische Felder (26. BImSCHV). Bei einem Abstand von größer als 3 m von der Sendeantenne unterschreitet man bereits die Grenzwerte nach allen Richtungen.
Dr. Eisemann stellte in seinem Referat auch klar, dass nicht die Sendeanlagen, sondern die Handys als Empfänger in Körpernähe immer die Verursacher eventueller Belastungen sind. Mit der Bemerkung, dass häufig durch Unwissenheit, Teil- und Falschinformationen der Scharlatanerie zum schüren von Ängsten Tür und Tor offen stünden, entließ der Referent nach seinen sachlichen Ausführungen in die Diskussion.
Bis heute mehr als 10.000 Forschungsarbeiten
Auf die Frage hin, ob es denn sinnvoll sei, dass Kommunen eigene Fachgutachten in Auftrag gäben, meinte der Referent: „Es existieren bis heute von unabhängigen Instituten, internationalen Forschungsgemeinschaften oder Gesundheitsbehörden bislang über 10.000 Forschungsarbeiten über athermische Einflüsse elektromagnetischer Felder. Auch die Rot-Grüne Bundesregierung, die nach eigenen Aussagen auf der Umweltseite stehe, erkenne die gesicherten Immissionswerte an. Einzeluntersuchungsaufträge von Kommunen sind daher überflüssig und verschwenden nur unnötig Steuergelder.“
Gelder zur Beseitigung des Informationsdefizits gefordert
Zur Frage eines möglichen Krebsrisikos niederfrequenter elekromagnetischer Felder sagte Dr. Eisenman, dass eine Krebsinitialisierung ausscheidet, da die nichtionisierende Strahlung zu geringe Energie hat, zellverändernd zu wirken. Uneinheitliche Ergebnisse bei Untersuchungen am Menschen seien nach der Niehs-Studie von 1999 häufig auf schwerwiegende methodische Mängel zurückzuführen.
Bürgermeister Kebinger, Soyen, beklagte ein Informationsdefizit in der Bürgerschaft und schlug vor, dass die Bundesregierung aus den hohen UMTS-Lizenzeinnahmen Gelder für Forschung und Aufklärung hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen einsetzen sollte. Hinsichtlich dieser Forderung bestand Konsens in der gesamten Diskussionsrunde.

Dieter Kannengießer dankte abschließend dem „neutralen Pensionisten“ Dr. Hans Eisenmann im Namen der Freien Wähler für seinen gelungenen Informationsvortrag und überreichte ihm den Bildband „Heimat Kolbermoor“ als Dankeschönpräsent.

Günter Schirmer – FW Pressereferent u.
FW/ÜWG  Pressereferat Landkreis

Mobilfunkstationen aus bau- und imissionsschutzrechtlicher Sicht 
(Aufsatz von Dr. Jürgen Busse, Bayer. Gemeindetag - als pdf)